Gestiegene Verbraucherakzeptanz und solide Infrastruktur schaffen die Voraussetzungen zur Erschließung des Heimvernetzungsmarktes. Dies ist das Ergebnis der fünften Staffel des Panels serviceforum@IFA am 5. September 2010 in Berlin. Verbraucherzentrale, Handel, Handwerk, Industrie und Medienvertreter diskutierten die Möglichkeiten, die Vorteile innovativer Technik für den Endverbraucher erlebbar zu machen. Im Fokus stand dabei auch die Komplexität und Innovationsgeschwindigkeit der Technikwelt und wie man den Kunden erfolgreich in die vernetzte Zukunft mitnimmt. Die Panel-Teilnehmer waren sich einig, dass rund um Heimvernetzung ein neues Geschäftsfeld mit großem Potenzial entsteht.
In seiner Begrüßung stellte Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels e.V. (BVT), fest: „Industrie, Handel und Handwerk und insbesondere der Endkunde haben sich längst für die digitale Zukunft entschieden.“ Als Voraussetzung für die weitere Erschließung dieses Marktes sieht er ein ausreichendes Produktangebot, Standards zur Sicherstellung der Funktionalität, verständliche Preis- und Gebührenmodelle sowie Bedienkonzepte, die ein problemloses Zusammenspiel der unterschiedlichen Produkte garantieren.
Gerade die Frage der Bedienbarkeit und die teilweise unverständliche Darstellung der kaufentscheidenden Kriterien waren Inhalt des Impulsvortrages von Michael Bobrowski (Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.), der den richtigen Kauf eines digitalen Endgerätes so schwierig wie einen Autokauf einstuft. Seine Forderung: Höhere Transparenz bei den Produkten bzw. deren Eigenschaften und eindeutigere Darstellung möglicher Nutzungseinschränkungen bzw. der Zusatzkosten bei digitalen Diensten. Eckhard Matzel (ZDF) stellte in seinem Vortrag die erfreuliche Entwicklung von HDTV bei Reichweiten und im Endgerätemarkt in Deutschland dar. So erreichen die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten über zehn Millionen Haushalte unverschlüsselt in HD-Qualität. Über Zugangssysteme (Pay-TV, T-Home, Pro7 / Sat.1 / RTL) kommen weitere 4,5 Millionen Haushalte dazu. Der unverschlüsselte Privatsender Anixe HD erreicht ebenfalls rund zehn Millionen Haushalte. Die Absatzzahlen der HD-fähigen Endgeräte haben sich zudem seit 2006 mehr als verdreifacht: Bis Ende 2010 werden über 29 Millionen HD-Empfangsgeräte in den deutschen Haushalten stehen. Ebenfalls deutlich gesteigert hat sich der Digitalisierungsgrad der Empfangswege (Terrestrik, Satellit, Kabel). Eine Grundvoraussetzung für neue Dienste wie beispielweise HbbTV (der europäische Standard für die Verschmelzung von TV und Internet) und die Sicherung langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.
Karsten Buroh (Concentra Marketing Research) präsentierte die von BVT und gfu in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie zur Heimvernetzung* und zeigte mögliche Wertschöpfungspotenziale auf. Bemerkenswert: 70 Prozent der interviewten Personen betreiben bereits einen Router; die Basis-Infrastruktur für eine Heimvernetzung ist somit vielen Haushalten schon vorhanden. Jeweils über 60 Prozent sehen in Heimvernetzung Möglichkeiten zur Steigerung von Komfort und Bequemlichkeit. Dennoch mangelt es noch an Detailkenntnissen aufgrund unzureichender Information, was die Einschätzungen, die neue Technik sei teuer und der Aufwand zu hoch, nach sich zieht. Hier knüpfte Dr. Ralph K. Metternich (I-MA) mit seinem Impulsvortrag an und stellte fest: Komplexe Lösungen haben zwei Komponenten – Produkt und Service. In der Heimvernetzung muss Service einen bedeutenden Anteil haben, als „wertig“ wahrgenommen und gerne bezahlt werden. Nur so wird aus Komplexität Umsatz und Gewinn. Mit der Etablierung von Lösungsketten für den Verbraucher, also insbesondere die Herausstellung von Vorteil und Nutzen z. B. vernetzter Produkte erhöht sich auch die Zahlungsbereitschaft für das angebotene Resultat. Durch Qualifizierung und Zertifizierung der Mitarbeiter, z. B. über die Qualifizierungsplattform PluralMedia®, damit auch die Darstellung der Kompetenz nach außen, ergibt sich eine erhöhte Kundenbindung und somit ein Wettbewerbsvorteil, mit entsprechendem Umsatz und Gewinn.
In der anschließenden von Willy Fischel moderierten Talkrunde, griff Willi Klöcker (BVT) den Gedanken nochmals auf: „Das Thema Heimvernetzung ist jetzt im realen Geschäft angekommen. Für den Fachhandel bietet Vernetzung die Chance, seine Beratungskompetenz in die Waagschale zu werfen. Mit umfassenden Informationen, individueller Beratung und Dienstleistungen, wie Installieren und Konfigurieren, machen wir die ganze Welt der Vernetzung für den Konsumenten erlebbar.“ Michael Bobrowski regte an, in das Thema Heimvernetzung das eigenverantwortliche Wohnen in den eigenen vier Wänden bis ins hohe Alter einzubeziehen und forderte die Industrie auf „menschengerechte Technik“ zu produzieren. Johann Peter Pfeifer (ZVEH) stellte fest, dass zur Bewältigung der Komplexität und zur Sicherstellung der notwendigen Serviceleistungen ein Schulterschluss von Industrie und Handwerk mit entsprechenden Schulungsangeboten notwendig sei. Frank Forstreuter (SHARP) sah Handlungsbedarf seitens der Industrie, um die Verbraucher gemeinsam mit Handel und Handwerk besser zu informieren. Ein möglicher Baustein dabei ist die hersteller- und branchenübergreifende Qualifizierungsplattform PluralMedia®. Ein weiterer wichtiger Ansatz sei die Einführung von Standards wie beispielsweise bei HbbTV. Abschließend stellte Willy Fischel fest, Heimvernetzung steht für die Zukunft und für ein neues Kapitel des Medienzeitalters.
Das serviceforum@IFA ist eine gemeinsame Veranstaltung von BVT (Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V.), ZVEH (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informations-technischen Handwerke e.V.) und dem Fachverband Consumer Electronics im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.). Es hat sich als Treffpunkt für traditionelle Fachhändler, Fachmärkte, Discounter, Filialisten, Handelskonzerne aus dem Konsumelektronik-Bereich, Fachbetriebe des Handwerks sowie Vertretern aus der Industrie und den Medien etabliert.
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Der Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V. (BVT) ist die berufspolitische und fachliche Interessenvertretung des technisch orientierten Fachhandels in Deutschland. Der Verband vertritt die Interessen von 19.000 privat- (B2C) und geschäftskundenorientierten (B2B) Handelsunternehmen mit 23.000 Arbeitsstätten und 100.000 Beschäftigten aus den Branchen Konsumelektronik, Informationstechnik, Mobil- und Telekommunikation, Foto/Imaging, Elektro-Hausgeräte, Küchen und Beleuchtung. Der BVT ist dem Handelsverband Deutschland (HDE) angeschlossen.

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