Mit der Abschaltung des analogen Fernsehens über Satellit brauchen in den nächsten acht Monaten Millionen Fernsehhaushalte neue Empfangstechnik.
Das Digital-Fernsehen überzeugt mit Vielfalt, einem besseren Bild und klarem Ton. Und es bietet viele zusätzliche Möglichkeiten wie die Nutzung von Internetdiensten auf dem Fernsehgerät oder die Wiederholung verpasster Sendungen. Das alles ist mit dem Empfang des analogen Fernsehens via Satellit (Schüssel/LNB, Receiver) nicht möglich. Darum ist die Abschaltung dieser überholten Technik am 30. April eine logische Konsequenz. Doch in über zwei Millionen deutschen Fernsehhaushalten werden noch alte Analog-Receiver genutzt. Sehen diese Zuschauer künftig schwarz, wenn abgeschaltet wird? Nicht, wenn sie jetzt umschalten. Das wurde auf dem serviceforum@IFA deutlich, zu dem Fachverbände des Handels, Handwerks und der Industrie eingeladen hatten: BVT, ZVEH und ZVEI haben gemeinsam mit Vertretern aller betroffenen Parteien im Rahmen des sechsten Serviceforums, das unter dem Motto „Wertschöpfung durch Digitalisierung“ stand, auf den Termin der Analogabschaltung hingewiesen.
„Das Digitalfernsehen bietet den Zuschauern vielfältige neue Möglichkeiten rund um das TV-Programm“, betonte Michael Albrecht von der ARD. Der Koordinator des Digital-Fernsehens verspricht den Zuschauern: „Das HDTV-Angebot der ARD wird mit der analogen Abschaltung im Satelliten erheblich erweitert.“ Fußballübertragungen mit verschiedenen Kameraperspektiven oder die Beteiligung an interaktiven Spiel-Shows – das alles macht Digital-TV möglich. Albrecht: „Wir stehen am Anfang einer neuen Entwicklung von Inhalten.“
Schon heute habe Deutschland mit seiner HDTV-Vielfalt nach England das zweitattraktivste TV-Angebot in Europa, sagte Wolfgang Elsäßer vom Satellitenbetreiber Astra. „Wir übertragen in Deutschland 270 TV-Programme in digitaler Qualität, davon allein 32 HDTV-Kanäle.“ Das überzeugt immer mehr Zuschauer zum Umstieg auf digitale Empfangstechnik. „Die Astra-Reichweite nimmt jedes Jahr um eine halbe Million Zuschauer zu“, so Elsäßer.
Doch es gibt eben immer noch über zwei Millionen Zuschauer, die analog einschalten. Damit diese am 30. April nächsten Jahres nicht vor einem schwarzen Bildschirm sitzen, stehen Handel, Handwerk und Industrie bereit, über technische Vorteile und praktischen Mehrwert zu informieren. Dabei drängt die Zeit immer mehr. „Jeden Werktag müssten jetzt deutschlandweit 14.000 Digitalempfänger verkauft werden, damit am 30. April 2012 alle Satelliten-TV-Haushalte digitales Fernsehen
empfangen“, hat der stellvertretende Vorsitzende des ZVEI-Fachverbandes Satellit und Kabel, Axel Sihn, von WISI Communications ausgerechnet. Benedict Kober von Euronics ergänzt: „Uns bleiben nur noch 200 Arbeitstage. Erschwerend hinzu kommt, dass die Witterungsbedingungen im Winter oftmals verhindern, dass ein Techniker aufs Dach steigt, um die neue Digital-Technik zu installieren.“
„Keine Sorgen müssen sich die Kabelfernsehzuschauer machen“, so Sihn weiter. „Bereits 90 Prozent der Kabelnetze sind digitalisiert und die Kopfstellentechnik wird bis zum Jahresende entsprechend angepasst.“ Allerdings: Bei manchen Gemeinschaftsanlagen, etwa bei kleineren Wohnungsbaugesellschaften und Eigentümergemeinschaften wie auch Hotels und Krankenhäusern sind noch etwa 40.000 Empfangsanlagen dringend umzurüsten. „Wir müssen allesamt noch kräftig zupacken“ so Kober, „nur ein Drittel der Fernsehzuschauer kennt den Termin für die analoge Abschaltung“.
Auch Dr. Norbert Kotzbauer vom TV-Gerätehersteller Metz ruft auf: „Es ist Zeit zum Handeln“, denn ein Viertel der Haushalte plant eine Umrüstung erst zwischen Oktober 2011 und März 2012. Dann könnte es für manchen Zuschauer zeitlich eng werden, wenn die Techniker ausgebucht sind. Metz hat rund 1.500 Fachhändler geschult, so dass sich die Konsumenten dort bestens beraten lassen können. „Jetzt ist die Zeit für die Kompetenz im Handel.“
Einer von ihnen ist Ernst Schmid von HiFi-Profis aus Hessen. Er berichtete, dass seine Mitarbeiter durch die Qualifizierungsinitiative PluralMedia geschult werden, um zukunftssicher aufgestellt zu sein. „Zwei bis drei Stunden braucht man heute, um beim Kunden einen neuen Fernseher zu installieren.“ Der Einsatz eines gut ausgebildeten Profis macht sich dann auch bezahlt: für den Fachmann durch Kundentreue und für den Zuschauer durch einen völlig neuen Fernsehgenuss. Das betont auch Willy Fischel vom Bundesverband Technik des Einzelhandels: „Der Handel ist bestens gerüstet für den Ansturm der Zuschauer, damit keiner von ihnen am Ende vor einem schwarzen Bildschirm sitzt.“
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Der Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V. (BVT) ist die berufspolitische und fachliche Interessenvertretung des technisch orientierten Fachhandels in Deutschland. Der Verband vertritt die Interessen von 19.000 privat- (B2C) und geschäftskundenorientierten (B2B) Handelsunternehmen mit 23.000 Arbeitsstätten und 100.000 Beschäftigten aus den Branchen Konsumelektronik, Informationstechnik, Mobil- und Telekommunikation, Foto/Imaging, Elektro-Hausgeräte, Küchen und Beleuchtung. Der BVT ist dem Handelsverband Deutschland (HDE) angeschlossen.

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